Parkinsonerkrankung und Erblichkeit

In manchen Familien wird die Parkinsonerkrankung nach den Regeln der klassischen Genetik vererbt. In diesen Fällen wird die Erkrankung durch einen Defekt in einem einzelnen Gen verursacht (siehe DNA und Gene). Der Gendefekt wird an einen Teil der Nachkommen weitergegeben, die dann ebenfalls erkranken. Solche klassischen monogenetischen Parkinsonsyndrome sind insgesamt äußerst selten.

Häufiger sind Formen der Parkinsonerkrankung, die auf Mutationen in den Genen LRRK2 oder GBA beruhen. Auch hier reicht im Prinzip eine einzelne Mutation aus, um zu erkranken. Anders als bei den zuvor beschriebenen Formen folgt der Erbgang allerdings oft weniger streng den klassischen Vererbungsregeln. So findet man in betroffenen Familien häufig Personen, die zwar Mutationsträger sind, aber bis ins hohe Alter keine Parkinsonerkrankung entwickeln. Umgekehrt sieht man auch überzufällig häufig Individuen, die die Mutation nicht aufweisen, aber dennoch erkranken. Beide Phänomene weisen darauf hin, daß zusätzlich zu der eigentlichen Mutation noch andere Faktoren zur Entstehung der Krankheit beitragen. Dabei könnte es sich beispielsweise um epigenetische Faktoren handeln.

Bei der Mehrzahl der Parkinsonkranken mit einer familiären Belastung findet man weder eine Mutation in einem der klassischen Parkinsongene noch in den Genen LRRK2 oder GBA. In einer Reihe sehr aufwendiger Studien ist untersucht worden, ob bei solchen Patienten die Kombination mehrerer (für sich genommen jeweils unschädlicher) genetischer Veränderungen für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich sein könnte. Auch das scheint aber nur auf einen Teil der Patienten zuzutreffen.

DNA und Gene:

Desoxyribonukleinsäure (DNA)
ist ein Biopolymer, d.h. sie ist aus einer kleinen Anzahl von Bausteinen aufgebaut, die sich ständig wiederholen. Die Bausteine sind die vier Basen A, C, G und T. In der Abfolge der Basen ist die genetische Information gespeichert. Jedes DNA Molekül besteht aus zwei Strängen, die im Prinzip dieselbe Information enthalten. Dadurch ist es sehr einfach möglich, die DNA einer Zelle zu verdoppeln und nach einer Zellteilung an die Tochterzellen weiterzugeben.
Gene
sind längere Abschnitte eines DNA Moleküls (typischerweise mehrere tausend bis hunderttausend Basenpaare lang). Sie stellen die funktionellen Einheiten des Genoms dar. Ein Gen kann beispielsweise die Information zur Herstellung eines bestimmten Bausteins der Zelle, eines sogenannten Proteins, speichern.
Genexpression:
Um innerhalb der Zelle ihre Wirkung entfalten zu können, müssen die meisten Gene zunächst in eine Boten-Ribonukleinsäure und dann in ein Protein übersetzt werden. Dieser Vorgang wird als Genexpression bezeichnet. Die Genexpression wird von der Zelle streng kontrolliert. Auf diese Weise wird erreicht, daß in jeder Zelle nur eine bestimmte Gruppe von Genen aktiv ist. Beispielsweise werden bestimmte Gene nur in roten Blutzellen, andere nur in Nervenzellen exprimiert. Das Muster der Genexpression bestimmt also die Identität einer Zelle innerhalb eines vielzelligen Organismus.