Epigenetische Vererbung der Parkinsonerkrankung

Am Hertie-Institut für Hirnforschung und Zentrum für Neurologie des Universitätsklinikum Tübingen beginnt in Kürze eine Studie zum Thema Epigenetische Vererbung der Parkinsonerkrankung. Der Begriff epigenetisch bezeichnet erbliche Information, die nicht in den Genen oder in der DNA, der klassischen Erbsubstanz, gespeichert ist, sondern in Form anderer Faktoren, die mit der DNA mehr oder weniger eng verbunden sind, vorliegt. In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, daß die Erblichkeit der Parkinsonerkrankung nicht allein auf Veränderungen in Genen oder in der DNA beruhen kann. Damit stellt sich die Frage nach andersartigen Möglichkeiten der Vererbung.

Epigenetische Vererbung bedeutet, daß epigenetische Faktoren von den Eltern über die Keimzellen an die Nachkommen weitergegeben werden. Bezogen auf die Parkinsonerkrankung steht zu vermuten, daß bestimmte epigenetische Faktoren die Entstehung der Krankheit fördern, andere davor schützen. In Familien, in denen die Parkinsonerkrankung gehäuft vorkommt, dürften vorwiegend erstgenannte Faktoren vererbt werden, in anderen Familien letztgenannte. Um für die Entstehung der Parkinsonerkrankung relevante epigenetische Faktoren zu identifizieren, wollen wir also das epigenetische Profil von Keimzellen zwischen Parkinsonpatienten und Kontrollpersonen vergleichen.

Grundsätzlich können sowohl die Mutter über die Eizelle als auch der Vater über das Spermium epigenetische Information an die Nachkommen weitergeben. Aus praktischen Gründen sind die von uns geplanten Untersuchungen allerdings nur an Spermien durchführbar. Wir suchen deshalb Patienten mit einem familiären Parkinsonsyndrom sowie gesunde Kontrollpersonen, die bereit sind, für unsere Untersuchungen Sperma zu spenden. Die Spermaspende ist mit einem geringen zeitlichen Aufwand verbunden und erfolgt unter Wahrung der Intimsphäre in einem speziell zu diesem Zweck bestimmten Spenderaum. Es wird eine Aufwandsentschädigung in Höhe von €50,- geboten.